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Philips Wouwerman war ein außerordentlich produktiver Maler. Hofstede de Groot
zählte noch annähernd eintausend Gemälde, die er Wouwerman zuschrieb; mittlerweile
hat sich diese Zahl nach aktuellen Forschungen deutlich reduziert. Der Anteil von
bewahrten Zeichnungen Wouwermans erscheint vergleichsweise gering.
Eine Chronologie seines Schaffens vorzunehmen, erweist sich als schwierig. Datierte
Bilder Wouwermans sind selten. Hofstede de Groot zählte achtzehn ihm bekannte, datierte
und datierbare Werke aus den Jahren 1638 bis 1668 auf. Diese Feststellung wurde erstmals
1989 durch Birgit Schumacher revidiert; sie zählte circa dreißig datierte Bilder. 1993
wurde dies durch Frits Duparc, der eine stilistische Entwicklung Wouwermans anhand der
datierten Gemälde aufzuzeigen suchte, erneut korrigiert. Duparc nahm vierundzwanzig
datierte und zweiundzwanzig datierbare Bilder zur Grundlage seiner Forschungen.
Ein zusätzliches Problem stellen die zahlreichen Kopien und Nachahmungen dar. Speziell
die Frage nach der Mit- bzw. Zusammenarbeit der Brüder Philips Wouwermans komplizieren
eine präzise Darstellung des Gesamtwerkes.
Eine Hilfe zur Einordnung der Werke in den Schaffensprozeß stellen die Signaturen,
bzw. Monogramme dar. Anfänglich signierte Wouwerman: P. WOVERMANS` oder P.W. In seiner
mittleren Periode ist die Bezeichnung PH.W. oder PHL. W. vorherrschend. Das erweiterte
Monogramm PHLS. W. oder PHILS. W. findet sich hauptsächlich auf seinen Spätbildern.
Bekannt ist außerdem eine verschnörkelte späte Signatur. Der Grund, das Monogramm von
P.W. zu PHILS. W. zu erweitern, ist wahrscheinlich in der Abgrenzung Philips zu seinem
Bruder Pieter Wouwerman zu suchen (Schumacher 1989). Von der Verwendung der Signatur
kann jedoch nur bedingt auf die Entstehung der Gemälde geschlossen werden. Nachgewiesene
Rückgriffe sowie das ausführliche Monogramm auf stilistisch schwächeren Werken sind
evident und komplizieren eine Einreihung.
Aus diesen spärlichen Angaben kann keine systematisch stringente Chronologie aller
Gemälde Wouwermans erstellt werden. Die stilistische und zeitliche Einordnung wird
nur ein Versuch bleiben. Eine Unterstützung der Systematisierung bilden die
dendrochronologischen Untersuchungen, die anhand der Jahresringe des Holzes
Angaben zum Fälldatum des für ein Kunstwerk verwendeten Baumes machen und somit
einen "terminus post" bestimmen können (siehe hierzu: Bauch/Eckstein/Brauner 1974).
Als frühe Schaffensperiode Wouwermans werden die vierziger Jahre des 17. Jahrhunderts
bezeichnet. Das früheste bekannte datierte Bild trägt die Jahreszahl 1639 (Feldlager,
oval, 39,4 x 53,3 cm, signiert und datiert rechts unten: PH. WOVWERMANS 1639, Versteigerung
Christie´s London, 20.10.1972, Nr. 13; Privatsammlung.).Die dargestellten Szenen stehen
noch vereinzelt; bilden keinen Dialog untereinander, die Figuren erscheinen stereotyp,
die Proportionen und Größenrelationen der Figuren und Tiere sind noch unausgewogen. Bei
diesem, wie auch bei anderen frühen Gemälden wird der Einfluß Pieter van Laers deutlich.
(Zu Pieter van Laer siehe: Blankert 1968 und Janeck 1968.) Die Einwirkung van Laers und
der Bamboccianti ist in Gemälden des Frühwerks eindeutig, verliert sich aber zunehmend
zugunsten einer eigenen Stilentwicklung. Lediglich die Sujets und typische bambocciante
Elemente wurden von Wouwerman auch noch im Spätwerk beibehalten.
Die Bamboccianti waren Künstler, die in den 1630 -50er Jahren vorwiegend aus Holland und
Flandern nach Rom zogen und neue Darstellungsmodi und Darstellungsweisen entwickelten, die
sich gegensätzlich zu der national - holländischen Landschafts- und Genremalerei verhielten.
Der Name Bamboccio, der eine entstellte Puppe oder einen Einfaltspinsel bezeichnet, war das
Pseudonym für Pieter van Laer, dessen körperliche Mißbildung namensgebend für die Gruppe der
Maler war. Gleichzeitig stand dieser Name für eine provokante Art der Malerei. Diese Bilder
dürften im 17 Jahrhundert für die Zeitgenossen aufsehenerregend und befremdlich gewesen sein,
da sie gewöhnliche, derbe Alltagsszenen in italienischen Landschaften darstellten. Dennoch
erfreuten sich die Gemälde einer großen Beliebtheit unter dem italienischen Volk. Die Szenen
der Alltäglichkeit waren keinesfalls real, sondern mitunter in ironischer und spöttischer
Art zugespitzt. Die ikonographischen und stilistischen Eigenheiten der Bamboccianti
überlieferten sich in diesen Jahren durch graphische Werke und durch zurückkehrende
Künstler nach Holland und Flandern. Die von den Bamboccianten gewählten Sujets waren
nicht gänzlich unbekannt für holländische und flämische Künstler, sondern partiell
bereits in der früheren Malerei verwurzelt. Neu war unter anderem, Genreszenen in
zuweilen phantastisch italienischen Landstrichen einzugliedern, die in ein besonderes
atmosphärisches Licht getaucht, Assoziationen an südliche Gegenden wachriefen.
Für den Bildaufbau griff Wouwerman oft auf die Diagonalkomposition zurück, indem er z.B.
Dünenhügel gegen einen weiten Horizont setzte. Nicht selten finden sich konventionell
gebrauchte Repoussoirmotive, wie ein toter Baum, der hoch aufragt oder durch den Bildrand
angeschnittene Bäume, die den Bildausschnitt eingrenzen.
In den darauffolgenden Jahren beschäftigte sich Wouwerman zunehmend mit anderen Sujets:
die Pflege und Zucht des Pferdes, vielfältige Variationen der Jagd und Schlachtenbilder mit
aufwendiger Soldateska. In bukolischen und arkadischen Landstrichen versetzte Wouwerman
vornehme und elegante Szenen mit aristokratischem Gepräge oder dramatische Episoden einer
militärischen Auseinandersetzung, die entgegen den früheren Werken in der Erzählung reicher,
detaillierter und pointierter erscheinen. Obschon die Landschaften durch aufwendige
Palastarchitekturen, Burgen, Windmühlen, antiken Statuen und Fontänen charakterisiert
werden, sind sie topographisch nicht zu lokalisieren.
Beschränkte sich die Landschaft im Frühwerk nur auf den Vordergrund, so dehnt sie sich
in dieser Zeit in die Tiefe und bietet bisweilen einen Panoramablick. Die braun-grüne
Tonigkeit der frühen Bilder weicht helleren und kräftigeren Farben und einem kühlen,
silbrig - grauen Luftton. Der Gestaltung des Himmels kommt mehr kompositorische Bedeutung
zu: um Raumtiefe zu suggerieren und szenisch - dramatische Momente zu verstärken. Die
Bilder der Frühzeit vermissen die lebendige Erzählung, die aus der Motivfülle und der
Detailverliebtheit des Künstlers resultiert und die sich in den 1650er Jahren entwickelt.
In der Beschreibung der agierenden Menschen und Tiere löste sich Wouwerman von den
stereotypen Darstellungen. Obwohl man nicht von portraithaften Zügen sprechen kann,
so werden die Charakterisierungen diffiziler, präziser und emotionaler, die Bewegungen
natürlicher, vielseitiger und dynamischer.
Diese Entwicklung ist auch bei der Darstellung von Pferden ersichtlich. In seiner
Detailfreude stellte er Pferde in ihren Rassen und Bewegungen so realistisch dar,
daß sie eine Bestimmungsgrundlage für die Hippologie bilden können. Auf frühen Bildern
finden sich eher starke, massige Tiere, die vorwiegend in der Kriegs- und Landwirtschaft
eingesetzt wurden. Die typischen Reitpferde der holländischen Kavallerie entstammen
zumeist der spanischen Rasse oder einer Kreuzung von spanischer und einheimischer Rasse.
Seit den 1650er Jahren stellte Wouwerman vermehrt Pferde dar, die das Prestigebedürfnis
der Aristokratie widerspiegeln und dem in der Mitte des 17. Jahrhunderts verstärkt
auftretenden Freizeitvergnügen der Jagd und der Schulreiterei entsprachen. Ihr hoher
Wuchs, der gebogener Schwanenhals mit einem kleineren Kopf als der zuvor beschriebene
Kladrubtyp, die lange seidige Mähne und die hoch angesetzten Ohren waren typisch für die
Rassen einer gehobenen Gesellschaftsklasse (Schumacher 1994). Wouwermans besonderes
Interesse für Schimmel beruhte einerseits auf der Bevorzugung dieses Pferdetyps im 17.
Jahrhundert, andererseits auf formalen und ästhetischen Gründen. Im Unterschied zum
Frühwerk wird der Schimmel nicht mehr als Kontrast verstanden, vielmehr wird er als
hellste Zone in die Komposition; in den Raum eingebunden. Wouwerman wertete die Schönheit
und die Erhabenheit der Pferde, indem er das Licht auf ihre Körper richtete, ihre Umrisse
aufleuchten ließ und ihrem Fell Schimmer und Glanz verlieh. Auf die Darstellung von Pferden
verwandte Wouwerman größte Sorgfalt: mit einzelnen aneinander gesetzten, fast zeichnerisch
wirkenden Pinselstrichen beschrieb er das Fell der Tiere. Im Gegensatz zu größeren Flächen,
wie dem Himmel, platzierte Wouwerman die Pinselstriche sicher, minutiös und fein vertrieben.
Auf bestimmte kleinere Attribute, z.B. das Zaumzeug, verwandte er ebensoviel Genauigkeit und
Gründlichkeit, wie bei den Tieren selbst. Auch bei den Kostümen der agierenden Personen,
besonders auffällig bei den eleganteren Szenen, frappiert die Präzision und Ausführlichkeit.
Wouwerman verband detaillierte Beschreibung der Gegenstände mit effektvoller Erzählung der
Geschehnisse.
In der letzten Schaffensperiode setzte Wouwerman seinen Stil der 1650er und 1660er Jahre
weitestgehend fort. Italienisch scheinende Architekturversatzstücke treten verdichteter auf.
In der Leichtigkeit der dargestellten Szenen werden bereits Merkmale des Rokoko antizipiert,
wie sie durch Antoine Watteau (1684-1721) und dessen Fêtes galantes bekannt sind. Zahlreiche
Episoden füllen die Gemälde, so daß leicht der Eindruck von Überfüllung entsteht. Einerseits
beeindrucken die vielseitigen Darstellungen durch ihren Detailreichtum und ihre Subtilität,
andererseits wird die Komposition durch die Fülle von Einzelfiguren unübersichtlich und reißt
auf. Um die Szenerie überblicken zu können, erhöhte Wouwerman den Standpunkt des Betrachters.
Die Übersättigung wirkt sich auch auf die Farbwahl aus; die Zusammenstellung der Farben erscheint
unharmonisch, ja fast bunt. Auf die Grundierung der Bilder verwendete Wouwerman weniger Sorgfalt,
so daß der Bolusgrund mitunter durchscheint. Der helle und kühle Grundton der mittleren Zeit wird
dunkler; braune, grüne und graue Töne überwiegen. Dadurch werden Details geschluckt und Nuancierungen
gehen verloren. Die Genauigkeit und Präzision bei der Gestaltung des Hintergrundes, die Wouwerman
bisher aufwendete, läßt nach und wird zunehmend oberflächlicher (Schumacher 1989).
Für weitere Informationen: Kontakt
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